Der Schwarze Tod

Die Pest war ein fixer Bestandteil im Leben der WienerInnen, die seit Gründung der Stadt immer wieder ihre Opfer forderte. Der „Schwarze Tod“ hieß sie in Russland, Frankreich und Italien schon lange. Im deutschsprachigen Raum hielt sich hartnäckig und lange der Name: der „Große Gestank“.

Im Verlauf der Erkrankung zeigten sich bräunliche und schwarze Flecken neben Geschwüren und Pusteln, die entsetzlich stanken wenn sie aufbrachen.

Wien litt erneut besonders unter der großen Pest von 1679, die wie so viele vor ihr aus dem Osten eingeschleppt wurde. Es war die Zeit des Barock und das ganze Leben war Theater. Die spanische Etikette am Hof, die Mode mit den riesigen Reifröcken und Allongeperücken, den spitzenbesetzten Westen und den Stöckelschuhen bis hin zur Betonung der Rangunterschiede der einzelnen gesellschaftlichen Stände und Klassen.

Auf den Straßen und Plätzen hatte sich seit dem Mittelalter allerdings nicht viel verändert. Die Gassen waren immer noch dunkel und schmal, teilweise ungepflastert und voll „gruben und sümpff“. Viele Dekrete mit dem Aufruf zur Sauberkeit sind überliefert, „Kärler“ wurden für die Straßenreinigung eingesetzt, aber nach Ausbruch der Epidemie erging erneut der ernstliche Befehl: „Dass Erstens kain Bluet, Eingewaid, Krebs, Schnecken, Ayrschallen oder anderer Unflat auff denen Gassen oder Plätzen ausgegossen: In gleichen kaine todte Hund, Katzen oder Geflügel auf die Gassen geworffen, sondern ain und anders vor die Stadt hinauß getragen“ werde.

Während im Mittelalter das Säubern der Körper in Badestuben ein fixer Bestandteil der WienerInnen war, fürchtete man nun dort die Ansteckung mit Syphilis. Das führte dazu, dass man Puder, Parfum und Perücke den Vorzug gab. Flöhe und Läuse vermehrten sich beglückt. Die vornehmen Damen trugen mit Honig ausgestrichene Röhrchen unter ihren Röcken, in denen sich die lästigen Parasiten fangen sollten. Die Leibeshygiene war an einem katastrophalen Tiefpunkt angelangt.

Die Ärzte, Bader und Heilkundigen waren ratlos. Sie verschrieben die Einnahme von Theriak (eine im Mittelalter besonders bei Vergiftungen angewandte opiumhaltige Arznei mit 60-80 Bestandteilen), sie machten Aderlässe oder verschrieben Schwitzkuren, das Kauen von Wacholderbeeren, Lorbeer, Knoblauch, Weinraute oder die Einnahme eines Gemischs aus Schwefel.

Bei der Beulenpest war eine der wenigen wirklich wirksamen Methoden die chirurgische Öffnung der Beulen (Bubonen), damit der Eiter abfließen konnte, was den Patienten wohltuende Linderung brachte. Als sprichwörtliches Wundermittel galt das Auflegen einer aufgespießten Kröte, welche zuvor in Wein und Essig eingelegt worden war. All das konnte aber nicht verhindern, dass 70.000 bis 120.000 WienerInnen starben.

Erst 1894 entdeckte der Schweizer Alexandre Yersin den Pesterreger und die baldige Einführung von Antibiotika setzte der ständigen Bedrohung in Wien ein Ende. Ausgerottet ist die Pest allerdings nicht. Von Madagaskar, Kongo, Peru bis USA sind bis heute Pesttote zu beklagen und Ansteckungen möglich.

In den Kinderspielen „Wer fürchtet sich vorm Schwarzen Mann“ und im „Schwarzen Peter“ wird der Schrecken der Pestilenz bis heute verarbeitet.Eine weitere wichtige Figur in Wien war „Der liebe Augustin! Der „Lieben Augustin“ (Marx Augustin) ein Dudelsackpfeifer, der die Pest mit Wein, Humor und Gesang überlebte.

Time Travel Tipp: Die Pestgrube bei Time Travel verspricht ein einmaliges Erlebnis um die Schrecken der Pest nachzuspüren.

 

Teile diesen Beitrag

Share on facebook
Share on linkedin
Share on twitter
Share on email

Weitere Beiträge