Pest in Wien

Als „Pest“ wurde ursprünglich jede Krankheit bezeichnet, die seuchenartigen und todbringenden Charakter hatte. Daher ist es sehr schwer, in frühen Jahren, zwischen Pocken, Fleckentyphus und Lungen-, Haut- oder Beulenpest zu unterscheiden. Bereits der römische Kaiser Marc Aurel soll in Wien an der Pest gestorben sein.

Als verheerendste Pestepidemie gesichert ist die Seuche der Jahre 1348 bis 1350. Etwa 25 Millionen Menschen, das ist etwa ein Viertel der damaligen Bevölkerung Europas, fanden dabei den Tod. Man schätzt, dass auch Wien zwei Drittel aller Einwohner verlor. Die Ordnung brach zusammen und die Überlebenden wurden zu „Gesetzlosen“. Leichen wurden nachts auf die Straßen gelegt um nicht mit ihnen im Haus eingesperrt zu werden.

Die Jahre vor dem Ausbruch waren gezeichnet von schweren Katastrophen. Riesige Falter und Spinnen, Würmer, Käfer und Mäuse verbreiteten sich rasch, Schwärme von Wanderheuschrecken fraßen die Felder leer. Erdbeben erschütterten das Land und Missernten und Hungersnöte schwächten die Bevölkerung. Himmelserscheinungen, wie ein Komet von furchterregender Schwärze, taten das ihre um den Zorn Gottes als Auslöser dieser Krankheit zu untermauern.

Die Seuche verbreitete sich sehr rasch und das lag wohl neben großen Pilgerbewegungen auch an den katastrophalen sanitären Zuständen jener Zeit. Erst 1345 ist für Wien ein „privet“ bekannt. Oft hatten die Bewohner zweier Häuser einen gemeinsamen Abtritt. Die Räumung oblag den Hauseigentümern. Die Fäkalien wurden im besten Fall in die im Tiefen Graben und der Rotenturmstraße als Kloaken dienenden Bäche geleitet, die schließlich in den nächsten Donauarm mündeten.

Der Gestank muss unerträglich gewesen sein. Viele Klagen über unzumutbare Geruchsbelästigungen haben sich in den Archiven erhalten. Auch vermutete man in dieser „verpesteten“ Luft die Ursache der Seuche und ordnete Räucherungen an und legte Erkrankte so hoch wie möglich vom stinkenden Boden entfernt.

Zur Zeit der großen Pest des Jahres 1349 lagen vor den Häusern Kot und Unrat, in denen zahlreiche Schweine wühlten. Im gesamten Mittelalter gab es in der Stadt noch Gehöfte und Stallungen. Es wurde Nutzvieh gehalten und die Tiere liefen auf den Straßen herum. Gesäubert wurden die Gassen lediglich zu besonderen Festlichkeiten, wie etwa dem Einzug eines Fürsten. Die erste Rechnung für Straßenpflasterung geht auf das Jahr 1358 zurück. Oft waren die Brunnen durch Sickerwasser verseucht. Wer das Haus verließ, zog hölzerne Überschuhe, sogenannte „Trippen“ an.

Die Pest plagte die Stadt Wien immer wieder im Abstand von wenigen Jahren. Die nächsten Ausbrüche folgten 1360, 1381, 1399, 1404, 1410, 1428 usw. Angesichts dieser Häufigkeit und der hohen Kindersterblichkeit ist es verständlich, dass die Lebenserwartung bei nur 24 Jahren lag….oder bis zur nächsten Epidemie…

Time Travel Tipp: Besuchen Sie Time Travel und erleben Sie die letzte große Pestepidemie 1679.

 

 

 

 

Teile diesen Beitrag

Share on facebook
Share on linkedin
Share on twitter
Share on email

Weitere Beiträge