Erotisches Wien

Wien war um 1900 die Welthauptstadt der erotischen Lust und Prostitution. Welche Orte erinnern daran? Wo können Sie dem erotischen Wien heutzutage begegnen? Wie hielten es die Habsburger mit der ehelichen Treue?

Prostitution wird als das älteste Gewerbe der Welt bezeichnet, rein historisch nicht korrekt, denn die Herstellung von Steinwerkzeugen und Keramiktöpfen datiert noch länger zurück. Wien hatte eine Vorreiterrolle in Sachen Sexualität um 1900. Denken Sie nur an Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse oder Arthur Schnitzler mit seinem provokantestem Werk „Der Reigen“.

Sexualität wurde zum Gegenstand der Wissenschaft in Wien.

Aus allen Teilen der Monarchie strömten die Leute nach Wien in die Kaiserhauptstadt. Wien hatte um 1900 mehr Einwohner als heute. Viele junge Mädchen landeten in der Prostitution. Die bekannteste Prostitutierte war Josefine „Pepi“ Mutzenbacher.. Sie stammte aus Ottakring und wärmte sich immer im damaligen Café Griensteidl am Michaelerplatz auf.

Ihre vermutlich fiktiven erotischen Erlebnisse wurden als „Geschichte einer Wienerischen Dirne. Von ihr selbst erzählt“ Vermutlich war Felix Salten der Autor, der auch Bambi geschrieben hatte. Um die damalige Zensur zu umgehen, erschien das Buch auf Subskriptionsbasis. In den 1970ern wurde das Leben der Mutzenbacher mit Christine Schubert verfilmt.

Am Michaelerplatz befand sich das erste Bordell Wiens. Dafür gehen wir in die Römerzeit zurück, also Wien ein Militärlager war und Vindobona genannt wurde. Die römischen Soldaten durften 20 Jahre lang nicht heiraten, lebten im Vorort (Cannabae) im Konkubinat (wilder Ehe) mit mehren Damen und die Prostitution blühte. Im Zuge der archäologischen Ausgrabungen in den 1990er Jahren entdeckte man Hinweise (grüne Weinrankenbemalung), welche an eine Weinschenke erinnern.

Dies bedeutete gleichzeitig auch Prostitution, welche aber zur Römerzeit nichts Verwerfliches war. Die Lust wurde außerhalb der Ehe erfüllt, denn die Ehe diente allein dem Zweck der Zeugung von Nachkommen.

Der Michaelerdurchgang wurde auch „Hüstelstrich“ genannt, da hier die Anbahnung erfolgte mit einem sogenannten „Hüsteln“. Wieso wurden die Mädchen zu Prostitutierten? Sie waren arm und hatten nicht viel Auswahl. Eine Alternative war Dienstmädchen zu werden, aber das war oft noch schlimmer, da sich der Hausherr inklusive Söhne oft an den armen Mädchen verging und diese zum

„Üben“ für die Söhne hergenommen wurden. Da konnten sie gleich Prostitutierte werden.

Welches waren nun die sündigsten Orte Wiens? Der Prater war seit seiner Öffnung 1766 verrucht, wenn man Spaß haben wollte, ging man dort hin. Die Wiener Innenstadt mit dem Michaelerplatz, Kohlmarkt, Graben, Singerstraße und vielen weiteren Nebengassen war ein weiterer Sündenpuhl. Wild ging es auch in der Gegend Mariahilf rund um den heutigen Naschmarkt zu. Der Spittelberg war als verruchte Gegend stadtbekannt.

Wie war das nun mit der ehelichen Treue bei den Habsburgern? Maria-Theresia war die Treue in Person, was man von ihrem französischen Ehegatten Franz Stephan von Lothringen weniger behaupten konnte. Schon die Aussicht in Wien das Schlafzimmer permanent teilen zu müssen war ihm unbekannt und löste Unbehagen aus. In Frankreich hatte man offiziell eine Mätresse, in Wien lief das inoffiziell.

 

Maria-Theresia war bekannt für die Keuschheitskommission im 18. Jh. Sie schickte ihre Kommissare aus, die an viele Türen klopfen. Befanden sich in einem Bett Personen, die nicht miteinander verheiratet waren, gab es hohe Strafen.

Ihr Sohn Josef II. hatte langfristig Pech mit den Frauen. Seine erste Frau, Isabella von Bourbon- Parma, war allerliebst und er war sehr verliebt in sie. Bei ihr weiß man das nicht so genau, denn es gab da auch noch die Schwägerin – Marie Christine – mit der sie zärtliche Liebesbriefe und möglicherweise mehr Zärtlichkeiten austauschte. Als Isabella bei der Geburt des zweiten Kindes verstarb mitsamt dem Kind, war Josef untröstlich. Als dann noch die erstgeborene Tochter in jungem Alter verstarb, gab er es auf nochmals mit einer Frau glücklich zu werden.

Auf Drängen seiner Mutter heiratete er noch ein zweites Mal, diesmal Maria Josepha von Bayern, eine Cousine. Joseph beachtete seine Frau kaum und sie verstarb bald an den Pocken. Kinder gingen keine aus der kurzen Ehe hervor. Ein weiteres Mal wollte Joseph nicht heiraten. Stattdessen befriedigte er seine Gelüste mit Prostituierten am Spittelberg. Beim Lokal der Witwe Bolte finden Sie noch eine Inschrift, die dieses bestätigt. Kaiser Joseph II soll auch auf die Anregung in Wien Bordelle einzuführen, gemeint haben: „Was Bordelle? Da brauche ich über ganz Wien nur ein großes Dach machen zu lassen, und das Bordell wäre fertig.

Kaiser Franz Joseph I. war bekanntlich auch kein Kostverächter und hatte einige uneheliche Kinder. Er vergötterte seine geliebte Sisi und hatte vier Kinder mit ihr. Aber nachdem sie ja nie am Wiener Hof anwesend war, wusste man von einigen Freundinnen (Anna Nahowski) und später Katharina Schratt. Man geht von ca. fünf unehelichen Kindern aus.

Wie ist es heutzutage in Wien mit den Tempeln der Lust? Da kommt einem auf Anhieb das Hotel Orient in den Sinn.

Auf der Homepage des Orients steht: „Das Orient ist ein Ort, an dem Sehnsüchte gestillt und wieder neu entfacht werden, ein ums andre Mal.“ Das Orient ist sicher DAS Wiener Stundenhotel und eine Institution an sich.

Wieso heißt es Orient? Das liegt daran, dass am Tiefen Graben vor ca. 300 Jahren ein Seitenarm der Donau noch bis dorthin reichte. Die Händler brachten ihre Waren, speziell Gewürze, Stoffe, Schmuck aus dem Orient, in das vormalige Schankhaus.

 

Seit 1896 wird es als Hotel Orient geführt. Schon Kaiser Franz Joseph soll hier zu Gast gewesen sein, genauso wie Orson Welles, der nach den Dreharbeiten zum „Dritten Mann“ gerne noch länger hier verweilte.

 

Heutzutage ist Diskretion oberstes Gebot und Inhaber ist kein anderer als der Sohn vom bereits verstorbenen Wiener Nachtclub-Chef Heinz Werner Schimanko.

 

Mehr Infos: http://www.hotel-orient.at/index.php/das-orient.html

 

 

 

 

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