Das Burgtheater – wer schafft es in die „Burg“?

Wo stand das Burgtheater früher und seit wann gibt es diese Institution? Wer waren berühmte Wiener Burgschauspieler? Was macht das Burgtheater so besonders?

Das Burgtheater ist das größte Sprechtheater im deutschsprachigen Raum. An der Burg zu spielen, wie sie kurz und einfach in Wien genannt wird, ist das Ziel jedes Theaterschauspielers. Ende des 19. Jh. von Gottfried Semper (Semperoper in Dresden) und Karl von Hasenauer erbaut.

Nach 14 Jahren Bauzeit wurde es am 14. Oktober 1888 mit Grillparzers „Esther“ und Schillers

„Wallensteins Lager“ eingeweiht. Der Standort ist genau gegenüber vom Rathaus und der Volksgarten liegt gleich daneben.

Das Burgtheater hat eine lange Tradition. Das „alte“ Burgtheater befand sich am Michaelerplatz, dort wo sich heute der Haupteingang zur Hofburg befindet. Schon vor ca. 270 Jahren hatte man dort einen Ballsaal in ein Theater umgewandelt. Die Habsburger Familie konnte ihre Hofloge von den kaiserlichen Gemächern über einen eigenen Zugang erreichen.

Es galt schon im 19 Jh. besonders vornehm in die „Burg“ zu gehen. Bürgertum und Adel trafen aufeinander und Klatschgeschichten wurden ausgetauscht, bevorzugt über die Burgschauspieler. Die Schauspielerin Charlotte Wolter würde aufgrund ihres besonderen „Wolter-Schreis“ legendär. Attila Hörbiger und Paula Wessely zählten zu den Publikumslieblingen in den 1940er Jahren, später auch deren Kinder oder der Bruder Paul Hörbiger. Josef Meinrad war so beliebt, dass der Platz neben dem Burgtheater nach ihm benannt wurde.

Anfangs war das Burgtheater, dass äußerlich an die Semperoper in Dresden erinnert, sehr beliebt aufgrund seiner Prachtbauweise und der technischen Neuerungen (elektrische Beleuchtung). Bald jedoch sparten die Wiener nicht an Kritik wegen der schlechten Akustik. Dieses Problem wurde durch einen Umbau des Zuschauerraums 1897 gelöst. Danach war der gute Ruf des Theaters nicht mehr zu stoppen und es entwickelte sich zu einem Treffpunkt von Reich und Schön.

Eine Besonderheit verbindet das Burgtheater mit dem Volksgarten. Eine unterirdische Belüftungsanlage (Schwammerl) zieht den Rosenduft des Volksgartens in das Burgtheater. Kaiser Franz Joseph wollte im Burgtheater Rosenduft einatmen. Über das Dach wird die verbrauchte Luft wieder freigesetzt. Früher gab es auch Duschen und Sonnenliegen am Dach für die Schauspieler, diese wurden aber nach der Beschädigung im 2. Weltkrieg nicht mehr bereitgestellt.

1945, beim großen Luftangriff auf Wien, erlitt das Burgtheater Bombentreffer und brannte völlig aus. Das Ronacher (heute beliebt als Musicaltheater) galt als Ausweichsquartier bis das Burgtheater am

14. Oktober 1955 wiedereröffnet wurde.

Es gab auch bereits negative Schlagzeilen über die „Burg“. Das Stück „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard sorgte schon vor seiner Uraufführung für einen Skandal. Die Performance-Kunst von Hermann Nitsch im Jahr 2005 gefiel auch nicht jedem. Und ein Finanzskandal erschütterte das Haus 2013/2014.

Wie bei der Wiener Staatsoper, bietet das Burgtheater ebenfalls ein Repertoire-Programm. D.h. das Programm wechselt jeden Tag. Zum Burgtheater gehören auch das Akademietheater, das Vestibül und das Kasino am Schwarzenbergplatz.

Im Sommer, während der spielfreien Zeit, dient das Burgtheater als schöner Rahmen für das

Tanzfestival „ImPulsTanz“, eines der größten europäischen Tanzfestivals.

 

Time Travel Tipp: Bei den Hausführungen, im Sommer während der Spielpause täglich, in der restlichen Jahreszeit an den Spielplan angepasst, können Sie das Deckengemälde im Stiegenhaus bewundern. Dieses wurde von Gustav Klimt, seinem Bruder Ernst und seinem Kollegen Franz Matsch gestaltet.

Mehr Infos: Online-Stream | Burgtheater

 

 

 

 

 

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