Das Wiener Konzerthaus – die Hauptspielstätte der Wiener Symphoniker

Wo befindet sich das Wiener Konzerthaus? Aus welchen Gründen wurde es wann gebaut? Wer waren die Architekten? Wie sieht das Programm heutzutage im Wiener Konzerthaus aus?

1890 entstand die Idee ein Haus für Musikfeste zu errichten, dass alle Bevölkerungsschichten ansprechen sollte im Gegensatz zum elitären Musikverein. Der Architekt Ludwig Baumann entwarf ein Areal, dass neben Konzertsälen, einen Eislaufplatz (der auch gleich neben dem Konzerthaus verwirklicht wurde) und eine Freiluftarena für ca. 40.000 Besucher beinhalten sollte. Letzteres wurde nicht verwirklicht, stattdessen entstand das Hotel Intercontinental.

Die in der ganzen Monarchie tätigen Wiener Theaterarchitekten Fellner und Helmer gingen gemeinsam mit Ludwig Baumann ans Werk und errichten von 1911 bis 1913 das Wiener Konzerthaus in der Architektur des Jugendstils. Kaiser Franz Joseph persönlich war bei der Eröffnung im Oktober 1913 anwesend. Richard Strauss spielte auf und Beethovens 9. Sinfonie war zu hören. Fellner und Helmer errichteten auch das Ronacher und das Volkstheater in Wien. Sie waren anerkannte Spezialisten beim Theaterbau und errichteten viele Werke nicht nur in Wien, sondern auch in den umliegenden Städten wie Brünn, Prag und Budapest.

Der Haupteingang befindet sich an der Lothringerstraße parallel zur Ringstraße. Weitere Ein- bzw. Ausgänge befinden sich auch in der Lisztstraße und am Heumarkt. Die drei wichtigsten Konzertsäle sind:

  • Großer Saal mit einer Kapazität von 1865 Plätzen und der Rieger Orgel
  • Mozart-Saal mit einer Kapazität von 704 Plätzen
  • Schubert-Saal mit einer Kapazität von 366 Plätzen
  • Berio-Saal mit einer Kapazität von 400 Plätzen (wurde erst bei der Renovierung des Konzerthauses 1998-2002

Das Besondere ist, dass alle Säle gleichzeitig laut bespielt werden können, ohne einander bezüglich der Akustik zu stören. Im gesamten Gebäudekomplex befinden sich auch die Universität für Musik und darstellende Kunst sowie das Akademietheater.

Die Inschrift an der Hausfront beim Haupteingang „Ehrt eure deutschen Meister, dann bahnt ihr gute Geister“ ist aus dem Zitat der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner. Das Originalmodell der Beethoven-Statue am gleichnamigen Platz gegenüber, steht im Foyer und erinnert an einen weiteren deutschen Meister.

Als die Monarchie 1918 zerfiel, wurde das Konzerthaus unterschiedlichst genutzt. Nicht nur für Konzerte, sondern auch für Veranstaltungen, Tänze, Bälle, Vorträge usw. 1938 nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich kam es kaum noch zu Aufführungen. Viele Künstler emigrierten. Was sich 1945 wieder ändern sollte. Es kam wieder zu Uraufführungen, sogar zu Jazz- und Popkonzerten.

Heutzutage ist das Wiener Konzerthaus die Hauptspielstätte der Wiener Symphoniker. Das

Klangforum Wien und das Wiener Kammerorchester spielen ebenfalls hier. Natürlich sind auch die

 

Wiener Philharmoniker und ausländische Orchester gerne zu Gast. Die Wiener Singakademie

singt seit 1913 im Wiener Konzerthaus.

Traditionell findet der Bonbon-Ball im Wiener Konzerthaus statt. Festivals wie das Wiener Frühlingsfestival, das Internationale Musikfest oder Wien Modern im Herbst stehen am Programm. Das Konzert zum Nationalfeiertag fndet seit 2014 im Wiener Konzerthaus statt. Jährlich können insgesamt ca. 800 Konzerte besucht werden.

Time Travel Tipp: Das Wiener Konzerthaus können Sie auch im Rahmen von ca. einstündigen Hausführungen besichtigen. Sie bekommen einen Einblick hinter die Kulissen, in die Solistenzimmer, Orchestergarderoben, Backstage-Bereich. Vielleicht ist sogar ein kurzer Probenbesuch möglich.

 

 

 

 

 

 

 

 

Teile diesen Beitrag

Share on facebook
Share on linkedin
Share on twitter
Share on email

Weitere Beiträge