Luxusgut Wohnung

Als Kaiser Franz Josef I. seine Regierung antrat, waren die Wohnverhältnisse in seiner Residenzstadt katastrophal. In den ersten 15 Jahren seiner Herrschaft stiegen die Mieten in Wien um 50 %. Bis Anfang des 20. Jh. versiebenfachten sie sich sogar. 1857 kostete eine Einzimmerwohnung um die 230 Gulden, also mehr als das Jahreseinkommen eines Dieners. Wer nicht über eine höhere Ausbildung verfügte und gezwungen war, sich als einfacher Arbeiter oder als Hauspersonal zu verdingen, war privilegiert, wurde ihm/ihr auch ein Nachtlager angeboten. Jene Arbeiter, die für sich und ihre Familien auch noch ein Zimmer mieten mussten, konnten von ihrem kargen Lohn gar nicht mehr leben. Aufgrund der starken Nachfrage waren die kleinsten Wohnungen auch verhältnismäßig die teuersten.

In der Folge mussten sich immer mehr Menschen eine Wohnung teilen und von immer weniger Geld ihre Familien erhalten. Außerhalb der Stadtmauer entstanden erbärmliche Elendsquartiere. Auf kaum 11 m² wohnten in Erdberg zwei bis vier Familien mit zehn bis fünfzehn Mitgliedern in derselben kaum möblierten Kammer. Viele Menschen waren Bettgeher, denen entgeltlich stunden- und schichtweise eine Schlafstelle in einer gemieteten Wohnung angeboten wurde. Dass mehrere Personen zugleich in einem Bett schliefen, war keine Seltenheit. 30 Betten, oder auch mehr, wurden in manche Mietwohnungen gezwängt. Selbst im Vergleich zu den Städten Europas, war Wien ein besonderer Fall der Massenverelendung.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich der Begriff „Wiener Krankheit“ zu einem international gebräuchlichen Wort für die Tuberkulose entwickelte. Ab dem Jahr 1910 häuften sich in den k.u.k Hauptstädten Budapest und Wien Mieterstreiks und Mieterrevolten. Diese Zustände erzwangen 1917 die ersten kaiserlichen Mieterschutzverordnungen und 1922 ein Mietengesetz, das diesmal im positiven Sinne beispielgebend für die Sozialgesetzgebung Europas wurde. Wer hingegen das Glück hatte, bei Hof arbeiten und leben zu können, der war sozial abgesichert. Wer einmal bei Hof untergekommen war, konnte damit rechnen, bis an sein Lebensende auch hier zu bleiben. Die Bezahlung war allerdings eher schlecht. Attraktiv waren die vielen sozialen Zusatzleistungen, die ein abgesichertes Leben ermöglichten.

Eine lebenslange Anstellung, eine fesche Uniform, Versorgung und Wohnrecht im Alter, medizinische Betreuung für die gesamte Familie durch einen der Hofärzte, Medikamente aus der Hofapotheke, Anspruch auf eine eigene Wohnung inklusive Mobiliar und Brennholz innerhalb des Hofes sowie ein Abonnement der Hofküche für Frühstück, Mittagessen und Abendessen, das so reichlich war, dass ganze Familien davon leben konnten. Darüber hinaus war es von exzellenter Qualität, nahrhaft und frisch gekocht. Wer sich an den Kaiser mit der Bitte um Unterstützung wandte, dem wurde sie immer gewährt. Kaiser Franz Josef I. war auch der erste Kaiser, der die jahrhundertealte Hoftaxe für die am schlechtesten bezahlten Hofbediensteten aufhob. Traditionell musste jeder, der neu bei Hof angestellt war, egal ob Beamter, Hausoffizier oder Diener, ein Drittel des gesamten ersten Jahresgehaltes zahlen, abgezogen in 12 Monatsraten.

Die Hofwohnungen wurden vom Obersthofmeisteramt je nach Rang und Kinderanzahl zugewiesen. Alle höheren Beamten und Aristokraten erhielten die größeren Wohnkomplexe. Die Hofbediensteten lebten unabhängig von ihrer sozialen Stellung bunt durcheinander innerhalb der Hofburg und Schönbrunn. Da das Gründen einer Familie auch für den Hof sehr kostspielig war, musste jeder Beamte oder Diener vorher eine Heiratserlaubnis, einholen. Allenfalls musste der Heiratswillige warten, bis er in eine günstigere Gehaltskategorie aufgestiegen war. In den verschiedenen Trakten der Hofburg waren alle Wohneinheiten, von den Kellerzimmern bis zu den Mansarden bewohnt.

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen. Den Browser jetzt aktualisieren

×