Der Begräbniskult der Habsburger

Wo wurde welcher Teil der Habsburger bestattet? Warum wurde das so gemacht und bis wann wurde dieses Ritual praktiziert? Welche Ausnahmen gab es?

 

In Wien gab es für Monarchen, Fürsten, Herzöge und höhergestellte Adelige den Brauch der getrennten Bestattung. Deshalb befinden sich die Leichname der Habsburger in der Kapuzinergruft, die Eingeweide in der Krypta des Stephansdoms und die Herzen in der „Herzlgruft“ in der Augustinerkirche.

Unter Historikern herrscht rege Diskussion, worauf genau sich dieses Ritual bezieht? Möglicherweise waren schon die altägyptischen Pharaonen Vorbild. Es hatte auch praktische Gründe, denn der Leichnam konnte so, vor allem bei längeren Überführungen und Aufbahrungen, besser konserviert werden. Politische Hintergründe werden eher ausgeschlossen.

Die getrennte Eingeweidebestattung wurde schon lange vor den Habsburgern praktiziert. Speziell während der Kreuzzüge, als viele Kreuzfahrer fern von der Heimat verstarben, war es üblich ihre Organe zu entnehmen, den Leichnam mit Rotwein auszukochen, um so den  langen Rücktransport besser überstehen zu können. Schon bei Barbararossa (1122-1190) und Richard Löwenherz (1157-1199) wurden die Organe an anderen Orten begraben. 

Dieses ungewöhnliche Habsburgerprotokoll wurde bis 1878 praktiziert. Die Eingeweide der Toten wurden entnommen, in Seidentücher gehüllt, in Spiritus eingelegt und die Behältnisse zugelötet. Das Herz als Sitz der Seele, erhielt einen besonderen Platz in einer Herzurne.

Begründer dieser Tradition soll Ferdinand III. (1608-1657) gewesen sein. Er wollte, dass die Herzen der Habsburger in der Augustinerkirche aufgebahrt werden. Sein Nachfolger, Ferdinand IV., verehrte die Madonna von Loreto mit ihrem Schrein in der Augustinerkirche und verfügte, dass sein Herz dort bestattet wurde.

Speziell im 16. und 17. Jh. war dieser Brauch sehr verbreitet unter den Habsburgern. Später gab es viele Ausnahmen. Kaiser Franz Joseph war strikt dagegen und sein Leichnam wurde komplett in der Kapuzinergruft bestattet.

Der letzte Kaiser, Karl I., der im Exil auf Madeira verstarb, wurde auch dort bestattet, sein Herz befindet sich allerdings im Schweizer Kloster Muri, gemeinsam mit dem Herz seiner Frau Zita. Ihr Leichnam ruht allerdings in der Kapuzinergruft und ihr Begräbnis galt als das letzte offizielle imperiale Begräbnis im Jahr 1989.

Der Sohn der beiden, Otto Habsburg, liegt ebenfalls in der Kapuzinergruft, allerdings wurde sein Herz auf eigenen Wunsch im ungarischen Kloster Pannonhalma bestattet. Er wurde als Kind von den Mönchen des Klosters erzogen und hatte eine spezielle Bindung zu Ungarn.

Heutzutage ist diese Art der Bestattung in Österreich grundsätzlich nicht mehr erlaubt. Es können jedoch Ausnahmeregelungen beim Gesundheitsministerium beantragt werden.

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