Verbrechen an Kindern im Wien des 19. Jahrhunderts
Die Verführung Minderjähriger oder Pädophilie war auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein regelmäßig auftretendes Delikt, dem damals nicht wenige Kinder zum Opfer fielen. Die Stadt Wien hob bei den Stadttoren Steuern ein, für die bestimmte Finanzbeamte zuständig waren.
Kriminalfall Wien: Ein grausiger Fund im Stadtgraben
An einem Januartag des Jahres 1842 entdeckte eines der Organe der Finanzaufsicht ein blutüberströmtes Kind im Stadtgraben. Im Zuge der Ermittlungen wurde die Identität des Buben festgestellt, die sich in die Länge zog, da keine Abgängigkeitsanzeige seitens der Eltern vorlag. Schließlich stießen die Kriminalbeamten auf eine Frau mittleren Alters, die als Mutter des toten Jungen in Frage kam. Die Wienerin sagte aus, dass ihr Sohn von einem Spaziergang mit seinem Onkel, dem Malergesellen Karl Feid, nicht mehr nach Hause gekommen sei.

Die Ermittlungen nehmen eine Wendung
Die Polizisten hatten anfangs kein Interesse, sich mit dem Mann zu beschäftigen, der auch zur Mutter des getöteten Burschen kein gutes Verhältnis hatte. Sie sprach zudem von einem verschwundenen Mantel. Erst ein Brief eines Zeugen an die Polizeidirektion lenkte die Ermittlungsarbeit der Kriminalisten auf den schlecht beleumundeten Handwerker. Der Mann borgte sich regelmäßig Geld bei Verwandten aus und beging kleinere Diebstähle, um seinen Lebenswandel, der auch aus regelmäßigem Alkoholkonsum bestand, finanzieren zu können.
Ein erschütterndes Geständnis
Da der Wiener wieder einmal in Geldnöten war, wollte er seinen achtjährigen Neffen einem Herrn für unzüchtige Handlungen anbieten. Der Bub weigerte sich und schrie laut um Hife. Die Lage auf der Mölkerbastei, die damals als einschlägiger Treffpunkt für derartige Verbrechen galt, drohte zu eskalieren. In Panik ergriff Karl Feid seinen Neffen und stieß ihn in den 19 Meter tiefen Abgrund vor der Stadtmauer. Er folgte ihm, hielt dem schreienden Kind den Mund zu und nahm ihm anschließend den Mantel ab, um diesen zu verkaufen.

Urteil und Hinrichtung
Nach seiner Verhaftung gestand der Malergeselle die Tat. Das Gericht verurteilte ihn zum Tod durch den Strang.
Time Travel Tipp:
Als markanter Rest der ehemaligen Stadtmauer blieb die Mölkerbastei übrig, von der aus man die Tiefe des ehemaligen Stadtgrabens erahnen kann.
Autor:
Michael Ellenbogen
Quellen:
Tartaruga Ubald, Der Wiener Pitaval, Hg. Seyrl Harald, Edition Seyrl, 413 Seiten, ISBN 3-901697-08-X, Wien-Scharnstein, 2000



