Ein mysteriöser Mord mitten in Wien
Gegenüber dem Dom, am Stephansplatz 3 steht das Curhaus. Im März 1892 wurde dort der Kuratdiener Leopold Buchinger in seinem bescheiden eingerichteten Zimmer ermordet aufgefunden. Am Abend sollte er um 21 Uhr zum Abendessen erscheinen.
Ein grausiger Fund am Stephansplatz
Da er nicht kam, hielten die Köchin und deren Gehilfin Nachschau. Mit größter Kraftanstrengung öffneten sie die Türe zu seinem Zimmer.Als die Frauen das Zimmer betraten, bot sich ihnen ein schrecklicher Anblick: Der alte Mann lag in einer Blutlache. Ihre Schreie alarmierten den Kuraten Franz Czernohorsky, der daraufhin umgehend die Polizei verständigte. Die hohen Beamten des kriminalpolizeilichen Dienstes und des Morddezernates kamen aus dem Stadtkommissariat und der Polizeidirektion. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Bedienstete über eine große Bargeldmenge und Wertpapiere verfügte.

Das Rätsel um Buchingers Vermögen
Die Beamten stellten sich die Frage, wie dieser Mann, der 6 Gulden im Monat verdiente zu derartigem Reichtum kommen konnte. Die mit der Aufklärung beauftragten Kriminalbeamten fanden auch das Testament des Opfers in dem er seine Geschwister als Begünstigte anführte. Jeder noch so kleinen Spur wurde nachgegangen, aber weder die Tatwaffe noch der Mörder wurden jemals gefunden. Die Tat wurde zwischen 15 und 18 Uhr begangen, soviel war sicher.
Die Suche nach dem Täter
Auch der andere Kuratdiener, Johann Sperl vermochte über den Kollegen kaum etwas zu sagen, da dieser schweigsam war. Man wusste allerdings, dass Leopold Buchinger Zöglingen, die das Priesteramt anstrebten, manchmal Geld borgte, es aber immer zurückbekam. Ein Sicherheitsrisiko für das Curhaus war ein offener Kellerzugang, durch den manchmal Bettler kamen, die eine warme Mahlzeit erbaten.

Ein Mord, der bis heute Rätsel aufgibt
Auch das Zimmer des Ermordeten war nie versperrt. Der Täter wurde niemals ausgeforscht. In einem abschließenden Bericht haben die ermittelnden Kriminalbeamten ein Szenario beschrieben, bei dem der Bedienstete möglicherweise von einem Bettler beim Geldzählen überrascht und daraufhin erschlagen sowie beraubt wurde. Für diese These gab es natürlich nie irgendwelche Beweise.
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Autor:
Michael Ellenbogen
Quelle:
Tartaruga Ubald, Der Wiener Pitaval, Hg. Seyrl Harald, Edition Seyrl, 413 Seiten, ISBN 3-901697-08-X, Wien-Scharnstein, 2000



