Österreich ist frei - Der Staatsvertrag

Wie war das genau mit den berühmten Worten „Österreich ist frei“? Wann und wo wurden diese gesprochen und vor allem von wem?

Nach dem 2. Weltkrieg (1939-1945) und den darauffolgenden zehn Jahren Besatzungszeit, erlangte Österreich im Jahr 1955, wieder seine Unabhängigkeit und wurde ein souveräner Staat. In seinen wichtigsten Bestimmungen legt der österreichische Staatsvertrag fest, dass Österreich als unabhängiger, demokratischer Staat in den Grenzen vom 1. Jänner 1938 wiederhergestellt ist.

Langwierige Verhandlungen waren vorausgegangen. Gemeinsam zu beratende Entwürfe der vier Alliierten (USA, Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich) ab 1946 scheiterten unter anderem am sowjetischen Standpunkt in der Frage des „Deutschen Eigentums“ in Österreich. 

Gemäß einem Beschluss der Potsdamer Konferenz vom 1.8.1945, konnten die Besatzungsmächte, das in ihren Zonen befindliche Eigentum des Deutschen Reichs, beanspruchen. Während die Westmächte dieses der Republik Österreich überließen, nahm es die Sowjetunion voll in Anspruch.

Diese Vermögenswerte waren lange ein Hindernis für den Abschluss des Staatsvertrags, der eigentlich schon für 1950 geplant gewesen wäre. Er verzögerte sich dadurch um weitere fünf Jahre. Erst im April 1955 zeichnete sich eine außenpolitische Wende ab.

Bundeskanzler Julius Raab und Außenminister Leopold Figl waren beide maßgeblich am Zustandekommen des Staatsvertrags beteiligt. Raab soll gleich nach dem Tod Stalins mit der österreichischen Delegation nach Moskau gereist sein und die Russen zu ihrer Zustimmung überredet haben.

Am Vorabend der Unterzeichnung in Wien habe er dem sowjetischen Außenminister Molotow mit Zithermusik betört, während der trinkfeste Leopold Figl die Streichung des Hinweises auf die Kriegsmitschuld aus dem Vertrag erwirkt habe. Figl soll Raab ins Ohr geflüstert haben: „Raab – jetzt noch d‘Reblaus und dann sans wach“.

Die Passage wurde tatsächlich aus dem Staatsvertrag gestrichen, wobei wir aber nicht wissen, ob das nun wirklich mit dem berühmten Heurigenlied der „Reblaus“ zu tun hatte.

Die Unterzeichnung des Staatsvertrags fand am 15. Mai 1955 im Marmorsaal des Schloss Belvedere statt. Anwesend waren die Außenminister der vier Besatzungsmächte – Molotow für die Sowjetunion, Macmillan für Großbritannien, Dulles für die USA und Pinay für Frankreich.

Leopold Figl schloss seine Dankesrede mit den spontanen, im Protokoll nicht vorgesehenen Worten „Österreich ist frei“.  Die Wochenschau zeigte in ihrem Bericht, wie Figl den Vertrag auf dem Balkon dem jubelnden Volk präsentierte. Alle dachten der berühmte Satz wäre vom Balkon ins Volk gerufen worden. Dies hätte gar nicht funktionieren können. Aufgrund des Lärmpegels der jubelnden Menschenmenge hätte man die berühmten Worte dort nicht hören können.

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