Franz Grillparzer – eine der widersprüchlichsten Dichterpersönlichkeiten Österreichs

Wieso wird er als österreichischer Nationaldichter bezeichnet? Wann lebte er und welchen Einflüssen unterlag er? Wie hieß seine ewige Braut?

Franz Grillparzer wurde am 15.1.1791 in der Wiener Innenstadt  geboren und wuchs in einem feudalen Haus am Bauernmarkt auf. Sein Vater war ein einflussreicher, aber auch hochverschuldeter Rechtsanwalt.

Er besuchte das Piaristengymnasium und studierte an der Wiener Universität Philologie und Jus. Er wurde zunächst Hofkonzipist in der Allgemeinen Hofkammer und später Direktor des Hofkammerarchivs bis zu seiner Pensionierung. 1847 war er Gründungsmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Seine ersten Versuche als Dramatiker fallen bereits in seine Studienzeit. Reisen führten ihn nach Italien, Griechenland, Deutschland, wo er 1826 auch mit Goethe zusammentraf. Er kam mit verschiedenen Geistesströmungen in Berührung.

Seine produktivste Zeit hatte er zwischen 1820 und 1831. Bekannte Werke sind u.a. „König Ottokars Glück und Ende“, „Ein treuer Diener seines Herrn“, „Das goldene Vlies“. In diese Zeit fallen auch seine diversen Liebschaften, am längsten jene mit seiner „ewigen Braut“ Katharina (Kathi) Fröhlich.

Die Stücke „Des Meeres und der Liebe Wellen“, „Der Traum ein Leben“ sowie „Weh dem, der lügt“ sind ebenfalls in dieser Zeit entstanden. Später schuf er bekannte Werke wie „Ein Bruderzwist in Habsburg“ oder „Die Jüdin von Toledo“

Grillparzers Bühnenwerke gewinnen ihre dramatische Spannung aus der Ambivalenz zwischen äußerer (staatlicher) Pflicht und eigenem Anspruch. Sie spiegeln somit auch die politische Unentschlossenheit Grillparzers, der zwar ein Gegner Metternichs war, aber dem "Freiheitstaumel" der Revolution 1848 skeptisch gegenüberstand.

Er verstarb 81jährig in Wien in seinem Wohnhaus in der Spiegelgasse. Sein Nachlass wurde von Kathi Fröhlich an die Stadt Wien übergeben und daher haben wir im Wien Museum das Grillparzerzimmer. Seine sterblichen Überreste wurden auf den Hietzinger Friedhof überführt.

Franz Grillparzer war wohl eine der künstlerisch vielseitigsten und menschlich widersprüchlichsten Dichterpersönlichkeiten Österreichs. In einer Biographie ist zu lesen: „Ein Dichter mit überstürzender Phantasie und gleichzeitig ein zäher Verstandesmensch“.

Aufgrund der identitätsstiftenden Verwendung seiner Werke, vor allem nach 1945, wird er auch als österreichischer Nationaldichter bezeichnet.

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