Wie war der Schulunterricht früher in Wien?

"Ora et labora" - bete und arbeite. Diesen Satz kennen wohl einige aber worauf geht dieser zurück. Früher war es nur den Mönchen vorbehalten zu lernen und auch zu lehren. Aber wodurch gab es dann ein Umdenken und war es auch wirklich richtig, nur Buben in die Schule gehen zu lassen?

 

Es war immer das erklärte Ziel jedes Herrschers nützliche Untertanen zu haben. Es waren die Mönchsorden, welche die Novizen vom Jugendalter an lehrten, beginnend mit Benedikt von Nursia, der 529 das erste christliche Kloster in Montecassino gründete. „Ora et labora“ - bete und arbeite hieß die einfache Regel. Die Mönche zogen hinaus in die Welt und missionierten. Aufgrund der hohen Geburtenraten übergaben viele Eltern einen ihrer Knaben schon mit sieben Jahren an ein Ordenshaus. Außerdem war man froh, dass nun jemand für sein Seelenheil betete.  Der Unterricht bestand aus Kirchengesang, Lesen, Schreiben und vor allem Erlernen der lateinischen Sprache, der Sprache der Gelehrten. Mädchen wurden nicht unterrichtet, außer sie wurden Nonnen. Dann hatten sie auch die Möglichkeit lateinische Texte zu lesen, aber sie lernten auch sticken, nähen und singen. Jedes Kloster war stolz im Besitz von mehreren Büchern zu sein und diese wurden abgeschrieben. Oft saßen mehrere Mönche vor 1x1 Meter großen Büchern und Schriften gemeinsam und widmeten sich dieser wichtigen Aufgabe. Anfangs wurde nur Latein und Theologie unterrichtet, später kam Philosophie, Jurisprudenz und Medizin dazu. Es entwickelten sich die mittelalterlichen Universitäten, Collegia genannt, aus denen sich die zukünftigen Universitäten entwickelten. Die Studenten waren großteils Knaben im Alter von 10-12 Jahren, aber auch Männer und Geistliche. Nur die begabtesten Schüler erlangten später Zugang zu den Universitäten, der Rest musste sich mit den Klosterschulen begnügen, die in Wien bei den Schotten ihren Anfang nahm. Bei St. Stephan gab es ebenfalls eine wichtige Bürgerschule, die den Jugendlichen aus dem Bürger- und Adelsstand Jus, Theologie, Philosophie und Mathematik vermittelte. 1446 gab es eine erste Schulordnung, die bis heute erhalten geblieben ist. Unterrichtet wurde das Trivium, wobei es sich um die drei unteren Fächer handelt: Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Beim Quadrivium handelt es sich um die vier höheren Fächer: Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. Letzteres wurde durch die Kantorei, die Singschule bei St. Stephan gelehrt.Wie wurde nun unterrichtet? Frei- oder Projektarbeit kannten die Kinder des Mittelalters nicht. Es wurde in erster Linie auswendig gelernt und wenn man Fehler machte, bekam man die Rute zu spüren. Die Rute war das Statussymbol des Lehrers.Unter Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II wurde das Schulwesen nach preußisch-schlesischem Muster reformiert. Alle Mädchen und Knaben ab dem sechsten Lebensjahr mussten Rechnen, Schreiben und Lesen lernen gemäß der Allgemeinen Schulordnung von 1774. Dieses neue Gesetz ermöglichte nun allen Kindern Zugang zu sechs Jahren Schulunterricht. Lernunterlage war das Schulbuch, welches von Maria Theresia selbst angeordnet wurde im Sinne ihrer aufgeklärten Unterrichtspädagogik. Es wurden viele Schulen in Dörfern errichtet um die Schulwege zu verkürzen. 1783 wurde das Schulgeld für den Elementarunterricht erlassen. Es gab Trivialschulen, also zweiklassige Volksschulen in kleineren Städten. In größeren Städten wurden drei- und vierklassige Hauptschulen eingerichtet. Es gab einen einheitlichen Lehrplan für Volksschüler mit Deutsch-, Rechnen und Religionsunterricht. Für die Hauptschüler stand noch zusätzlich Geschichte, Geografie und Zeichnen am Programm. Aber nicht nur Kinder drückten die Schulbank, auch Lehrer mussten sich einer einschlägigen Ausbildung unterziehen, nämlich einer eigenen Lehrerfortbildung. 1869 gab es eine weitere Änderung, die Schulpflicht wurde von sechs auf acht Jahre erhöht. Die letzte Schulreform von 1918 wurde vom Präsidenten des Wiener Stadtschulrates ins Leben gerufen. Der Hintergedanke war, dass alle Kinder – egal welches Geschlecht und welche soziale Lage, Anspruch auf Bildung haben sollen. 1927 wurde die Hauptschule eingeführt, also die Pflichtschule für die 10-14 jährigen.1962 wurde das österreichische Schulwesen neu geregelt und die Schulpflicht auf 9 Jahre ausgeweitet, so wie es bis heute noch aktuell ist.

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